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Live-Produktionsmethoden für die MOOCs an der TU Delft

November 10, 2017 by Ellen Camloh

Die Technische Universität Delft genießt in den Niederlanden schon lange einen guten Ruf für ihre anspruchsvolle Ingenieursausbildung. Jetzt bekommt sie diese Anerkennung auch global – dank technischer Expertise in einem weiteren Feld – Online-Videounterricht.

Heute ist die Universität nicht nur auf Augenhöhe mit führenden Universitäten wie dem MIT, Harvard und Berkely, sondern zeigt auch anderen Hochschulen, wie man seine eigenen Online-Kurse produzieren kann.

Der Campus der TU Delft in den Niederlanden.

Guter Unterricht

„Anfang 2000 sahen wir, wie sich das Internet zu Bildungszwecken nutzen lässt, und bauten kleine Sets und mobile Studios, um Vorlesungen und Kurse online bereitzustellen“, sagt Jan Douma, AV Systems Engineer am NewMedia Centre der Universität. Es war eine Maßnahmen mit Weitblick. In wenigen Jahren kam das Phänomen namens MOOC ins Rollen und die TU Delft stand bereits in den Startlöchern.

MOOCs oder Massive Open Online Courses sind frei zugängliche Videokurse für alle Menschen mit Internetzugang. Die offenen und beliebten MOOC-Plattformen bieten verschiedenste Kurse: Hobbies, Entwicklung von Fertigkeiten, Weiterbildung oder akademische Themen stehen zur Auswahl.

Bei der TU Delft folgen die MOOCs allerdings dem üblichen Rahmenlehrplan und entsprechen so in einem hohen Maße den Kursen, die den eingeschriebenen Studierenden angeboten werden.

„Wir brauchten ein Produktionssystem, das der Ausbildungsqualität entsprach, für die die TU Delft im Präsenzunterricht so berühmt ist“, sagt Douma. Dabei kam es auf drei Schlüsselfaktoren an.

  • Zuerst musste die Videoproduktion beschleunigt werden, um die wachsende Nachfrage nach MOOCs zu bedienen.

  • Zweitens brauchten die Lehrkräfte – Menschen mit akademischer Ausbildung, keine Videoproduzenten – die Hilfsmittel und Methoden, um hochwertige und nutzbringende Online-Kurse bereitzustellen.

  • Und schließlich mussten sie lernen, wie sie ansprechende Inhalte erstellen, die sich die Studierenden gern ansehen und dabei lernen würden.

Jan Douma nutzte Technologie, interne Entwicklungen und Medienkenntnisse, um ein Produktionsstudio von Grund auf neu zu planen und zu bauen – und profitiert nun von innovativen Video-Workflows, die alle drei Herausforderungen auf eine Weise lösen, die andere MOOCs so nicht kannten.

Die MOOCs an der TU Delft sind nach denselben strengen akademischen Anforderungen ausgerichtet wie die Bachelor- und Master-Studienprogramme.

Alles in einem Durchgang

„Interessant bei der TU Delft ist ihre strikte Regel zur Produktion von Online-Unterrichtsstunden“, sagt Arnout van der Hoek, Workflow-Berater bei Lines Broadcast BV, NewTek-Elitehändler in den Niederlanden. „Die Regel ist simpel: keine Postproduktion.“

Aber das war nicht immer so.

„Am Anfang haben wir unsere Videoproduktion mit der Standardmethode abgewickelt: Aufnahmen mit der Kamera, mehrere Einstellungen, um genügend Material zu sammeln, und dann ab damit in die Postproduktion“, sagt Douma von der TU Delft. „Das war sehr aufwändig.“

Mit seinem Kollegen beim NewMedia Centre, Ruud van Zijl, entwickelte Douma einen Workflow, mit dem sie ganze Unterrichtsstunden ohne Postproduktion bereitstellen konnten, und baute das passende Studio dazu.

Herzstück dieses Studios ist ein NewTek TriCaster® 8000, an den drei JVC Gy-850-Kameras und andere Quellen angeschlossen sind.

„Da unsere Produktionen in Echtzeit laufen, haben wir uns für den TriCaster entschieden: Der kommt gleichzeitig mit allen Videoquellen zurecht, die wir verwenden könnten“, sagt Douma. „Der Vorteil liegt auf der Hand. Beleuchtung, Position und Koordination bleiben gleich, wenn man live die Kamerawinkel umschaltet, also bleibt auch die Qualität konstant hoch“ – beim Zusammenschneiden verschiedener Einstellungen in der Postproduktion ist das längst nicht immer so.

„Das ist das Entscheidende beim TriCaster“, sagt van der Hoek von Lines Broadcast. „Man braucht keine Postproduktion, wenn die fertige Präsentation in Echtzeit entsteht.“

Jan Douma am TriCaster für einen MOOC der TU Delft.

Auf Produktivität getrimmt

Durch die Umstellung des Produktionsmodells auf Echtzeit konnte die TU Delft ganze Kurse in wesentlich kürzerer Zeit produzieren.

„Als wir anfingen, brauchten wir für die Unterrichtsstunden einer Woche MOOC – sieben Clips mit Aufnahmesitzung für jede Stunde, Postproduktion, Formatierung und Hochladen auf YouTube – zwei Wochen“, sagt Douma. „Mit dem TriCaster-Workflow können wir dieselbe Menge in etwa zwei Stunden bewerkstelligen.“

Der drastische Produktionsanstieg war etwas ganz Neues in der Welt der Bildungsnetzwerke wie edX, der von Harvard und dem MIT geführten Plattform für Hochschul-MOOCs (wo Delft sich schon früh beteiligte).

„An einigen Universitäten brauchen sie für eine einzige MOOC-Reihe ein gewaltiges Team und 6 Monate Zeit“, sagt Douma. „Mit unserem TriCaster-Workflow haben wir in den letzten vier Jahren mit 4 oder 5 Leuten 60 MOOCs, 45 integrierte Lernprojekte und 25 Fachkurse produziert. Das sind etwa 5.400 Stunden Videomaterial in vier Jahren.“

Diese Produktivität weckte das Interesse anderer edX-Partneruniversitäten anlässlich einer Konferenz an der TU Delft. Einige von ihnen haben nach einer Begehung des NewMedia Centre selbst ähnliche Echtzeitmethoden übernommen.

Das Personal vom NewMedia Centre hat seine eigene UI-App für den TriCaster entwickelt.

So, wie Sie es möchten

Je nach den technischen Fertigkeiten der Lehrkräfte bietet das NewMedia Centre unterschiedliche Stufen seines Produktionsmodells an, sagt van der Hoek. „Es gibt drei Service-Stufen: Sie produzieren selbst, wir produzieren mit Ihnen zusammen oder wir produzieren für Sie.“

Das am besten ausgestattete Hauptstudio mit dem TriCaster 8000 als Herzstück bedient die Modelle „Wir produzieren mit Ihnen“ und „Wir produzieren für Sie“.

Lehrkräfte, die selbst Kenntnisse in der Videoproduktion haben, können das von Douma und seinen Kollegen entwickelte „Do-It-Yourself“-Studio nutzen, das auf einem vereinfachten Workflow mit dem TriCaster 410 basiert. Das Team hat mit den TriCaster SDKs und Programmen eigene Oberflächen und Schnittstellen entwickelt, die eine Automatisierungssteuerung bieten und den Lehrkräften die Produktion der eigenen Sendung in Echtzeit ermöglichen.

„Es ist praktisch eine gewaltige Greenscreen-Fotokabine“, sagt van der Hoek. Lehrkräfte, die mit dieser Methode ins Studio gehen, laden ihre Präsentation, wählen einen Hintergrund aus und geben Teleprompter-Text ein bzw. importieren diesen.

MOOC-Lehrkraft vor einem Greenscreen.
Lehrkräfte schreiben ihre Präsentationsskripte für die Wiedergabe mit dem Teleprompter.

Dann fügen Sie Marker hinzu, die Umschaltvorgaben für die Videos anzeigen. Wann soll das Programm die PowerPoint-Folie im Vollbildmodus zeigen? Wann sollen PowerPoint und Lehrkraft nebeneinander stehen? Und wann soll nur die Lehrkraft zu sehen sein? Im Studio läuft dann alles automatisch.

„Wenn Sie bereit sind, beginnt die Produktion. Sie folgen dem Skript auf dem Teleprompter und das automatische System schaltet anhand Ihrer Marker um“, sagt van der Hoek. „Danach können Sie das Material durchsehen. Wenn Sie zufrieden sind, geht alles an den Online-Server. Sie können es sofort veröffentlichen.“

Der ganze Prozess dauert weniger als eine Stunde, sodass das NewMedia Centre mehrere Unterrichtsstunden am Tag produzieren kann.

Den Lehrkräften gefällt es, dass sie mit dem TriCaster in Echtzeit Vorlesungen abhalten können, anstatt mehrere Einstellungen zu filmen und dann tagelang auf die Produktion warten zu müssen.

Am wichtigsten, sagt Douma, ist die Authentizität der Vorlesungen. Nichts wird aufpoliert oder beschönigt, es ist die reine und ungeschminkte Aufnahme. Nichts wird in der Postproduktion nachkorrigiert.

Die Präsentation und alle Effekte werden bei der Live-Aufzeichnung in Echtzeit hinzugefügt, was Zeit und Geld spart.

Lektionen für die Lehrkräfte

Wenn Lehrkräfte mit dem Wunsch, einen MOOC zu veranstalten, zum NewMedia Centre kommen, betreut sie das Personal mit einem bewährten Schulungsprogramm.

Zuerst werden die Lehrkräfte mit den visuellen und technischen Möglichkeiten vertraut gemacht. „Wir fordern sie zum Experimentieren auf: Welche Möglichkeiten gibt es? Auf welche Grenzen könnte man stoßen und wie weit kann man gehen? Und dann setzt unser technisches Personal alles in die Tat um“, sagt Douma.

Zum Beispiel führte ein Lehrer im Unterrichtsraum ein Experiment vor, indem er es auf eine transparente Glastafel vor ihm zeichnete.

Die Kollegen meinten, dass dies eine großartige Visualisierung sei und im Studio für die MOOC-Teilnehmenden wiederholt werden sollte. Logistisch war es allerdings nicht möglich, für die Vorlesungen dieses einen Dozenten eine Glasplatte zu montieren und sie für die anderen wieder zu entfernen.

Sie verwendeten stattdessen NewTek NDI® Telestrator, eine netzwerkbasierte Zeichenanwendung, die über IP mit dem TriCaster verbunden ist. Damit können Formeln und Diagramme gezeichnet werden, die dann über die Kameraquelle gelegt werden. „Wir können Formeln auf das Tablet schreiben, während wir sie erklären. Die Schrift schwebt dann vor uns in der Luft“, sagt Douma.

„Wir experimentieren stets mit allen möglichen Elementen, meiden die Postproduktion aber weiterhin. Wir konzentrieren uns mehr auf die zusätzlichen Details, die wir durch Multimedien in das Lernerlebnis einbinden können. Und der TriCaster hilft uns dabei, die Vorlesungen zum Leben zu erwecken und sie für alle verständlicher zu machen.“

Die Produktionsanweisungen umfassen Befehle zum Umschalten von Kameras auf Grafiken.

Es wird persönlich

Sie schulen die Lehrkräfte auch zu den technischen Anforderungen. Sie müssen lernen, PowerPoint-Folien richtig zu erstellen und ihre Skripte so zu schreiben, dass sie natürlich klingen (und sie zur Nutzung mit Telepromptern und Untertiteln optimieren).

Und – ebenfalls sehr wichtig – sie vermitteln den Lehrkräften die „Bühnenpräsenz“, mit der diese die Zuschauer in ihren Bann schlagen können.

„Unsere Lehrkräfte bekommen Medienschulungen von einem Produzenten aus dem Fernsehgeschäft“, sagt Douma. „Er hilft den Lehrkräften dabei, mit ihrer Persönlichkeit zu spielen und sich an das Format Video zu gewöhnen.“

Für Jan Douma geht es nicht nur darum, gute Lerninhalte online bereitzustellen. Es ist auch eine Möglichkeit, den Lehrkräften bei der persönlichen Weiterentwicklung vor der Kamera zu helfen. „Man kann zusehen, wie die Leute an ihren Aufgaben wachsen ... es ist wunderschön.“

Dieser Komfort spielte eine große Rolle bei der Entscheidung der TU Delft für die TriCaster-Systeme. „2009 waren wir auf der ISE Show und erlebten eine Vorführung am Stand von NewTek. Das war eine Live-Präsentation, in der eine einzige Person ein ganzes Studio steuerte – Ton, Bild, Kameraschalter, Grafik ... einfach alles“, sagt Douma.<br />​
„Wir dachten, dass der TriCaster den Lehrkräften die Angst vor der Technik nehmen könnte. Sie fühlen sich wohler, wenn sie nicht von Technik umzingelt sind. Und es hilft natürlich, dass sie nur eine Person sehen und nicht einer ganzen Crew gegenüberstehen.“

Douma sagt, dass das NewMedia Centre stets mit neuen Technologien experimentiert, sodass sie den Lehrkräften einen Schritt voraus bleiben.

„Wir halten immer die neuste Technologie bereit. Wir wissen, wie sie funktioniert, und wir integrieren sie in unsere TriCaster-Systeme – wenn also eine Lehrkraft etwas ausprobieren möchte, ist das kein Problem: Wir haben es schon längst bei uns im Studio.“

Studierende der TU Delft interagieren mit Objekten aus der erweiterten Realität.

Maximale Einbindung 

Jan Douma und seine Mitarbeiter haben Automatisierung, virtuelle Realität, erweiterte Realität und gemischte Realität in ihre TriCaster-Workflows integriert.

„Momentan arbeiten wir an 360°-Video: Die Technologie bietet viele Möglichkeiten bei der Erstellung von Lerninhalten. In einer von uns entwickelten Vorlesung geht es um eine Wasseraufbereitungsanlage. Natürlich können die Studierenden eine Führung durch die Anlage machen, aber die Kapazität liegt bei gerade einmal 20 Teilnehmern pro Führung. Wir fragten uns also, ob wir eine Tour in VR erstellen konnten, die fast dasselbe Erlebnis bot.“

Sein Team besuchte die Anlage, erkundete die Umgebung und nahm einige 360°-Videoproben auf, um dieses Erlebnis zu entwickeln.

„Sie können an der Führung in der Anlage teilnehmen, aber auch mit den Maschinen interagieren: Zum Beispiel können Sie auf ein Bedienfeld tippen, die Daten und Zahlen aufrufen und sehen, was das Gerät kann und welche Rolle es bei der Wasseraufbereitung spielt.“

Mit virtueller Realität kommen die Studierenden der TU Delft an Orte, die ihnen vorher nicht zugänglich waren.

Empirische Ergebnisse
Natürlich gibt es immer Zweifel, wenn bestehende Lern- und Lehrmethoden ersetzt werden.

Es wurde zum Beispiel überlegt, ob die Studierenden nur an den MOOCs teilnehmen, um ein persönliches Erscheinen zu vermeiden und sich online die Highlights anzusehen. Die Forschungsdaten der TU Delft sagen etwas anderes.

Es wurde sogar festgestellt, dass Studierende die MOOCs nutzen, um ihre Aufgaben aus dem Präsenzunterricht zu ergänzen und zu kontrollieren (insbesondere bei der Prüfungsvorbereitung).

„Die Lehrkräfte vermelden bessere Ergebnisse und mehr erfolgreiche Studierende“, sagt Douma.

„Nach einem Blick auf die Daten“, sagt er, „können wir feststellen, dass die in unseren Studios produzierten Vorlesungen den Studierenden dabei helfen, sich besser auf den Lernstoff zu konzentrieren.“

Mit virtuellen Studios können die Dozenten ein ganz eigenes Erscheinungsbild schaffen.

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